Du kennst beide Seiten des Wartezimmers. Kaum eine Berufsgruppe weiß so genau, was der Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatient im Alltag bedeutet, und kaum eine hat so klare Zugangswege in die PKV.
Von Goran Ovčar, Versicherungsfachmann (BWV) · zuletzt geprüft: Juli 2026
Mit der Niederlassung in eigener Praxis, ob als Vertragsarzt, Privatarzt oder in einer Berufsausübungsgemeinschaft, bist du Freiberufler und damit versicherungsfrei. Die JAEG spielt für dich keine Rolle: Du kannst dich jederzeit privat versichern, unabhängig davon, was die Praxis abwirft. Der Beitrag richtet sich nach Eintrittsalter, Gesundheitszustand und Tarif, nicht nach deinem Einkommen. Gerade in der Aufbauphase einer Praxis ist das ein planbarer Fixposten, während der GKV-Beitrag als freiwillig Versicherter mit dem Einkommen bis zum Höchstbeitrag von rund 1.226 €/Monat inkl. Pflege (2026) steigen würde.
Für angestellte Ärztinnen und Ärzte entscheidet das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt. Und hier lohnt Präzision, denn nicht alles auf der Gehaltsabrechnung zählt mit: Grundgehalt und vertraglich fest zugesagte Bezüge (etwa garantierte Zulagen oder ein tariflich fixiertes 13. Gehalt) werden angerechnet, unregelmäßige Dienste, schwankende Bereitschafts- und Rufdienstvergütungen dagegen nicht. Ein Assistenzarzt, der nur mit Diensten über 77.400 € kommt, liegt sozialversicherungsrechtlich darunter. Ein Facharzt oder Oberarzt mit entsprechendem Grundtarif liegt dagegen oft sicher darüber. Der Blick gehört also auf den Arbeitsvertrag, nicht auf die Dezember-Abrechnung.
Ein Klassiker im Beratungsgespräch: „Ich bin doch im Versorgungswerk, bin ich dann nicht sowieso raus aus dem System?" Nein. Die Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung zugunsten der ärztlichen Versorgungswerke betrifft ausschließlich die Altersvorsorge. Am Krankenversicherungs-Status ändert sie nichts: Angestellte Ärzte bleiben bis zur JAEG GKV-pflichtig, Niedergelassene sind frei. Wer beides verwechselt, plant an der Realität vorbei.
Als Mediziner musst du dir den Unterschied zwischen GKV-Budget und Privatliquidation nicht erklären lassen, du rechnest selbst nach GOÄ ab oder siehst täglich, wie Terminvergabe, Diagnostik-Tiefe und Zeitbudget zwischen Kassen- und Privatpatienten auseinanderlaufen. Genau diesen Zugang sicherst du dir mit der PKV für dich und deine Familie. Fair ist aber auch: Die PKV ist kein Selbstläufer. Drei Punkte, die gerade Mediziner sauber planen sollten:
Planst du den Schritt aus der Klinik in die Niederlassung? Dann kläre den PKV-Einstieg vor der Praxisgründung. Als Angestellter mit Gehalt über der JAEG kommst du oft schon vorher hinein, und startest in die Selbstständigkeit mit gesichertem Status, statt Praxisaufbau und Gesundheitsprüfung gleichzeitig zu stemmen.
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